DOPEorNOPE: ARD

Die ARD startet mit neuem Logo ins neue Jahrzehnt und spaltet damit die Meinungen der Designer*Innen in Deutschland. Der Markenauftritt der Sendergruppe soll geschärft werden. Bisher hat die Sendergruppe selbst nicht viel Worte zum neuen Logo und dem daraus resultierenden Rebranding verloren. Pressesprecher Markus Huber dazu kurz und knapp:

„Das Ziel war, eine stimmige Balance aus der Bildmarke, der Eins, und der Wortmarke ARD herzustellen. Also eine eindeutige Marke zu schaffen, die die gesamte Angebotspalette des ARD-Verbundes verkörpert, insbesondere auch die digitalen Angebote“, so Huber.

Pressekonferenz zur Intendantenkonferenz in München

Was ist neu?

Auf den ersten Blick fallen 4 Dinge auf:

  1. Die ARD verabschiedet sich von der charakteristischen Serifenschrift „TheAntiqua“ und folgt damit dem Trend zur Vereinfachung von Wortmarken.
  2. Auffällig ist außerdem das Eins-Symbol, welches vergrößert in den Vordergrund tritt und den Einsatz als „Trademark“ in die Geschichtsbücher verbannt
  3. Der Kreis öffnet sich nun zur Wortmarke und hat dickere Linien spendiert bekommen. Das wirkt sich harmonisch auf die sich im Kreis befindende Eins auf.
  4. Die Eins ist innerhalb des Kreises geschrumpft und wirkt nun proportionaler.

Die Überarbeitung des Logos ist durchaus gelungen, auf mobile Geräte abgestimmt und wirkt wesentlich zeitgemäßer als das bisherige Zusammenspiel aus Wort- und Bildmarke. Die Sendergruppe hat noch keine Einsatzbeispiele des Logos veröffentlicht, kündigte aber bereits an, dass die Umgestaltung aus wirtschaftlichen Gründen im Austauschprinzip erfolgt. Über die nächsten Jahre werden Print- und Digitalmedien an die neuen Gestaltungsrichtlinien angepasst.

Kommunikationsstrategie

Jedes gute Design ist nicht nur hübsch, sondern verfolgt auch eine tiefergehende Strategie. Leider hat die ARD die Chance verpasst, einen wirklichen Neuanfang zu wagen.

Wenn die meisten von euch „ARD“ hören, wird selbstverständlich an das Fernsehprogramm „Das Erste“ gedacht. Ist doch logisch, denkst du? Leider nein! Zu allererst ist die ARD ein Zusammenschluss der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland. Ihr voller Name ist „Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland“. Diese Arbeitsgemeinschaft bildet das Dachkonstrukt für etliche Radiosender und TV-Sendeanstalten, wie z.B. Bayerischer Rundfunk, Hessischer Rundfunk, SWR und RBB.

Da jedoch „ARD“ in den Anfangsjahren die Bezeichnung für Sendergruppe und TV-Programm gleichermaßen war und bei Änderung des Programmnamens in „Das Erste“ das charakteristische Eins-Symbol für Dachmarke und Programm gleichzeitig bestehen blieb, war das Kommunikationschaos perfekt.

Mit der neuen Designstrategie hat man es verpasst, Sender und Sendergruppe klar voneinander zu trennen. So wird auch in den kommenden Jahren „ARD“ als Synomyn für „Das Erste“ herhalten müssen.

Das Urteil: NOPE für ARD

Das Redesign holt die Sendergruppe in die Moderne und der sich zur Wortmarke öffnende Kreis symbolisiert Einheit. Wir mögen die Serifenlosigkeit und die neue Gewichtung der Bildmarke. All das lässt aber nicht übersehen, dass kommunikatives Chaos herrscht. Deswegen vergeben wir für dieses Projekt ein klares NOPE.

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